Landschaften

Ein idyllischer Lichteinfall, Blätterspiel und sich im Wind neigende Grashalme. Romantische Szenen, die sich einreihen in die Tradition der Landschaftsmalerei. Das Schöne lädt zum Verweilen an, lässt uns Innehalten und wirkt oft faszinierend. Doch der Glanz an der Oberfläche trägt ungeahnte Geschichtlichkeit in sich. Die Gemälde stellen die jüdische Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes dar. Mit diesem Wissen zeigen sich überwucherte Grabsteine, das Antlitz einer sich selbst überlassenen Totenstätte. Das Schöne kippt ins Unbehagen. Österreichische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: gelebter und öffentlich akzeptierter Antisemitismus kulminiert im Anschluss an das Deutsche Reich – der Führer nimmt seine Heimat in die Arme(e). Deportation, Enteignung, Folter, willkürliche Verbrechen und das alles im Kulturland Österreich. Dunkle Jahren sollen es gewesen sein, vieles soll gar nicht bekannt gewesen sein – am besten Gras darüber wachsen lassen und den Rest heilt die Zeit. Schrenk bietet einen neuen Versuch sich dieser Geschichte anzunähern. Wissen und Verortung erzeugen Spannung beim Betrachten. Es öffnet sich ein Diskursraum. Die darin verborgene Thematik erschließt sich nur gedanklich. Das Schöne lenkt ab, verleitet die Landschaft als Landschaft zu betrachten, nicht als Eröffnung einer Erinnerungsarbeit, einer Frage. Was ist da passiert? Für den Künstler funktionieren die alten Bilder von Konzentrations- lagern, Gaskammern und abgemagerten Menschen nicht mehr. Man ist „daran gewöhnt“. Derartiges zu malen wäre plakativ und würde bei den Menschen bloß wieder die gleiche, resignierte Haltung hervorrufen. Es bedarf neuer Bilder, die unvoreingenommen betrachtet werden und dann mittels des geschaffenen Rahmens ihre Wirkung erzielen können. Am Anfang war das Bild. Beim Spaziergang über die altjüdische Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs haben die überwachsenen Gräber einen tiefen Eindruck hinterlassen. Die aus wildem Gestrüpp ragenden Grabsteine mahnten vor dem „Verschlucktwerden“ und dem Vergessen. Auch auf den Landschaften sind die Grabsteine nun gänzlich verschwunden und können nur mit dem entsprechenden Wissen vermutet werden.